Eingliederungshilfe (§35a SGB VIII)

Wenn deine Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist durch eine anhaltende psychische Erkrankung, hast du Anspruch auf eine Eingliederungshilfe (§35a SGB VIII). 

 

Beispiel: Du kannst wegen deiner psychischen Erkrankung nicht mehr zur Schule gehen.

 

 

 

 

In meiner Praxis sind die häufigsten psychischen Erkrankungen, die zu einer solchen Einschränkung führen: Angststörungen (Agoraphobie, soziale Phobie) und ADHS in Kombination mit Störungen des Sozialverhaltens.

 

Einen Anspruch haben Kinder und Jugendliche. Auch junge Volljährige bis zum 21. Geburtstag (§41 SGB VIII), haben einen Anspruch: "Die Hilfe wird in der Regel nur bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gewährt".


Leistungen der Eingliederungshilfe

Wenn du nicht zur Schule gehen kannst, ist die Förderung deiner "Teilhabe an Bildung" die Aufgabe der Eingliederungshilfe. Ziel ist es, dir eine Schulbildung zu ermöglichen (§90 Absatz 4 SGB IX und §112 SGB IX).

 

Es gibt vier Arten von Leistungen der Eingliederungshilfe:

  1. Medizinische Rehabilitation
  2. Teilhabe am Arbeitsleben
  3. Teilhabe an Bildung
  4. Soziale Teilhabe

Hilfeformen

Eine Eingliederungshilfe gibt es als ambulante Hilfe (z.B. durch einen Schulbegleiter) bis hin zu einer stationären Hilfe (z.B. in einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche).

 

Alternativ kann die Hilfe finanziell geleistet werden als "Persönliches Budget". | www.einfach-teilhaben.de | www.bmas.de | www.reha-recht.de


Dein Antrag auf Eingliederungshilfe

Du musst einen schriftlichen Antrag auf Eingliederungshilfe stellen beim Jugendamt. Das ist nicht nur vorgeschrieben, sondern auch aus einem anderen Grund wichtig: Eine Vielzahl an Eltern hat mir berichtet, dass sie bei Terminen im Jugendamt ihren Hilfebedarf nicht verständlich machen konnten.

 

Wenn du in Eisenhüttenstadt wohnst, musst du laut www.landkreis-oder-spree.de deinen Antrag richten an:

 

Allgemeiner Sozialer Dienst
Eingliederungshilfe
Am Bahnhof 1E
15517 Fürstenwalde / Spree

 

Andererseits gibt es auch in Eisenhüttenstadt eine zuständige Fachkraft laut www.landkreis-oder-spree.de

 

Auf dem Antragsformular des Landkreises Oder-Spree müssen Eltern Angaben machen, zu denen sie meistens nicht in der Lage sind, zum Beispiel zur "Entwicklung der Persönlichkeit". Wenn Sie kein Experte sind für Persönlichkeits- oder Entwicklungspsychologie, helfe ich Ihnen beim Ausfüllen des Antragsformulars, wenn Sie es wünschen. Hier ist ein Beispiel-Antrag.

 

Das Antragsformular des Landkreises sieht vor, dass Eltern den Antrag stellen und unterschreiben, obwohl Eltern gar keinen Rechtsanspruch haben auf Eingliederungshilfe, sondern Kinder und Jugendliche selbst. Wenn du 15 oder älter bist, kannst du den Antrag selbst stellen (§36 SGB I). Außerdem ist das Jugendamt verpflichtet, dich bei allen Entscheidungen zu beteiligen (§8 SGB VIII).

 


Wie ich dir helfen kann

Zusätzlich zu deinem Antrag muss ich eine Stellungnahme verfassen, in der aufgeführt ist, welche psychische Erkrankung nach ICD-10 vorliegt.

 

Gesetzlich vorgeschrieben ist: Das Jugendamt soll mich beteiligen bei der Aufstellung des Hilfeplans und bei der Durchführung der Hilfe (§36 Absatz 3 SGB VIII).


Wie es nach deinem Antrag weiter geht

Das Jugendamt muss innerhalb von zwei Wochen nach Eingang deines Antrages feststellen, ob es zuständig ist (§14 SGB IX).

 

Wenn das Jugendamt feststellt, dass es zuständig ist, muss es deinen Hilfebedarf unverzüglich und umfassend feststellen innerhalb von drei Wochen nach Eingang deines Antrages (§14 SGB IX).

 

Wenn das Jugendamt hingegen findet, dass ein Gutachten notwendig ist, muss es es unverzüglich einen Sachverständigen beauftragen (§17 SGB IX). In der Regel werden dir mehrere Sachverständige nahe deines Wohnortes zur Auswahl gestellt. Der Sachverständige erstellt das Gutachten innerhalb von zwei Wochen nach Auftragserteilung. Innerhalb von zwei Wochen nach Vorliegen des Gutachtens entscheidet dann das Jugendamt über die Hilfe.

 

Das Jugendamt muss sich bei der Ermittlung deines Bedarfs an der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) orientieren (§118 SGB IX). 

 

Deine Leistungen zur Teilhabe werden schließlich vom Jugendamt als Rehabilitationsträger umgesetzt (§6 Absatz 1 Nummer 6 SGB IX).


Beratungsstelle

Auf www.teilhabeberatung.de findest du die nächstgelegene Beratungsstelle für eine "ergänzende unabhängige Teilhabeberatung" (EUTB). Es ist für Eltern verpflichtend, ihr Kind in einer solchen Beratungsstelle vorzustellen, wenn beim Kind eine Behinderung vorliegt (§33 SGB IX).

 

Auch medizinisches Personal, Sozialarbeiter, Lehrer und Erzieher haben die Verpflichtung, auf dieses Beratungsangebot aufmerksam zu machen (§34 SGB IX).


Links

Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR): (PDF) Gemeinsame Empfehlungen Reha-Prozess

 

Umsetzungsbegleitung Bundesteilhabegesetz: www.umsetzungsbegleitung-bthg.de

 

Uniklinik Ulm: Eingliederungshilfe nach §35a SGB VIII im Kontext des Bundesteilhabegesetzes

 

Landesjugendämter Rheinland und Westfalen: §35a SGB VIII Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche mit einer seelischen Behinderung

 

Bundesministerium für Familien, Frauen, Senioren und Jugend: (PDF) Kinder- und Jugendhilfe