Überlastung

Die Zahl der Patient*innen, die mich kontaktieren ist sehr viel größer als meine Behandlungsmöglichkeiten. Ich habe einen halben Vertragsarztsitz (§19a Ärzte-Zulassungsverordnung) und schaffe es, etwa 25 Einzeltermine pro Woche anzubieten zu jeweils 50 Minuten. Die Anfragen in meiner Praxis sind im Durchschnitt so, dass ich ca. 200 Einzeltermine pro Woche durchführen müsste.

 

Ich habe viele Maßnahmen getroffen, um Hunderte Patient*innen und Familien in meiner psychotherapeutischen Sprechstunde (§11 Psychotherapie-Richtlinie) beraten zu können seit meiner Praxiseröffnung.

 

Trotz aller Bemühungen muss ich jeden Tag Patient*innen enttäuschen und sagen , dass ich keine freien Kapazitäten habe. Eine Warteliste habe ich abgeschafft, als die Wartezeit auf eine Psychotherapie 2 Jahre überschritten hat. Leider kann ich dieses Problem nicht lösen, auch wenn weiterhin viele Eltern und Patient*innen eine Überweisung erhalten von ihrem Arzt, dass eine Psychotherapie dringend notwendig sei.

Triage

"Die Frage nach der ethisch vertretbaren Priorisierung knapper medizinischer Hilfeleistungen" (Mannino 2021) ist in der Medizin bekannt unter dem Begriff der Triage.

 

"Die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind voll, dort findet eine Triage statt. Wer nicht suizidgefährdet ist und 'nur' eine Depression hat, wird gar nicht mehr aufgenommen", berichtet Jakob Maske vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) während der Coronapandemie. Die DGKJP widerspricht: Durchweg alle Kinder und Jugendlichen hätten zu jeder Zeit schnelle Hilfe bekommen in allen psychiatrischen Kliniken.


Gründe für die Überlastung

Wenn du mehr wissen möchtest, kannst du die Gründe für die Überlastung lesen.


Wie ich auf die Überlastung reagiere

Wegen der Überlastung der Behandlungskapazität versuche ich mit maximaler Effizienz zu arbeiten. Die Effizienzsteigerung und meine persönliche Belastbarkeit sind jedoch nicht unendlich. Egal, wie viel ich arbeite, es wird bei weitem nicht ausreichen für die Nachfrage durch Patient*innen.

 

Es ist für alle Psychotherapeut*innen verpflichtend, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen bei der Behandlung von Patient*innen (§3 Abs. 2 Berufsordnung). Auf diese Weise gebe ich mir Mühe, die begrenzte Ressource "Behandlungszeit", gerecht und sinnvoll zu verteilen (vgl. Wachendorf & Glasenapp 2021):

 

Stepped Care (gestufte Behandlung): Statt mit allen Patient*innen wöchentliche Termine zu vereinbaren, umfasst die Behandlung diejenige Interventionsform, die adäquat ist und gleichzeitig die geringste Behandlungsintensität aufweist (vgl. Nationale VersorgungsLeitlinie Depression: leitlinien.de & Modell einer gestuften ambulanten psychotherapeutischen Versorgung). Falls sich zeigt, dass eine Behandlungsfrequenz nicht ausreicht, wird die Behandlung intensiviert. Außerdem setze ich auf eine stärkere Beteiligung von Patient*innen durch eine verbesserte Aufklärung, Psychoedukation und Förderung des Selbstmanagements.

 

Selektion: Es gibt Hilfesuchende, die zwar unbestreitbar Probleme haben, aber keine psychische Erkrankung. Ein Beispiel wäre ein Schüler, der unter Mobbing in der Schule leidet - das Mobbing ist selbstverständlich ein ernst zu nehmendes Problem. Es ist auch ein Risikofaktor für die Entwicklung einer psychischen Erkrankung (z.B. für eine Depression). Aber nicht jeder, der dieses Problem hat, hat auch eine psychische Erkrankung. Alle Patient*innen werden von mir stets aufgeklärt, dass eine Verhaltenstherapie keine Lebensbegleitung in schwierigen Zeiten ist, sondern der Behandlung von Krankheiten dient.


Priorisierung:  Ich behandle vorrangig Patienten...

  • deren psychische Erkrankung schwerwiegende Folgen hat (z.B. bei erhöhter Suizidalität / Letalität),
  • bei denen nicht angenommen werden kann, dass die Problematik ohne Intervention zurück geht (Spontanremission),
  • bei denen eine Psychotherapie eine gute Aussicht auf Erfolg hat.

Gruppentherapie: Eine Gruppentherapie ist für viele Patient*innen so wirksam wie eine Einzeltherapie. Durch eine Gruppentherapie ist es möglich, mehr Hilfesuchenden eine psychotherapeutische Behandlung anzubieten.

 


Wie Patient*innen auf die Überlastung reagieren können

Ich appelliere an alle Patient*innen, die bereits bei mir zu Terminen kommen oder sich dies überlegen, ihren Teil dazu beizutragen, die Überlastung meiner Praxis zu verringern. So kannst du mithelfen:

 

Du informierst dich, was es bedeutet, eine Psychotherapie zu machen | Du informierst dich insbesondere über die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) | Du vereinbarst Termine online | Du bereitest dich auf deinen Termin vor, indem du aufschreibst, was du im Termin besprechen möchtest (vgl. Gesundheitsinformation.de). | Du notierst am Ende deines Termins, was wichtig für dich war | Du arbeitest im Therapieprozess mit (z.B. bei den Therapie-"Hausaufgaben" ) | Du informierst dich über die Ursachen, die Aufrechterhaltung und die Therapiemethoden anhand der Bücher oder Ratgeber, die ich dir zur Verfügung stelle.


Wenn du über eine Psychotherapie nachdenkst...


1) Informiere dich über weitere Hilfen

Es gibt in Deutschland sehr viele verschiedene Hilfsangebote für Menschen in unterschiedlichen Problemlagen. Informiere dich über diese weiteren Hilfen. Besonders bei familiären Konflikten und Problemen haben Kinder, Jugendliche und Eltern einen Anspruch auf Hilfen zur Erziehung: Diese werden vom Allgemeinen Sozialen Dienst angeboten. Der Allgemeine Soziale Dienst ist ein Angebot des Jugendamtes. | Allgemeiner Sozialer Dienst im Landkreis Oder-Spree: www.landkreis-oder-spree.de| Weitere Informationen auf www.unterstützung-die-ankommt.de


2) Überprüfe, ob eine KVT für dich die passende Hilfe ist

Als Therapieverfahren biete ich die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) an. Vergrößere dein Therapie-Wissen, um vorab Ideen zu sammeln, ob eine KVT das ist, was zu du brauchst und machen möchtest. Da Verhaltenstherapie Hilfe zur Selbsthilfe ist, müssen Patient*innen und deren Bezugspersonen (Eltern, Lehrer, Erzieher) an der Veränderung des eigenen Verhaltens arbeiten. Deswegen bekommst du regelmäßig Therapie-Hausaufgaben. Aus meiner Erfahrung kann ich aber sagen: Viele meiner Patient*innen sagen, sie haben keine Zeit für die Therapiehausaufgaben. In diesen Fällen muss ich die Therapie beenden, da auf diese Weise keine Therapieziele zu erreichbar sind.


3) Informiere dich, welche anderen Psychotherapeut*innen es gibt

Schaue dir die Übersicht an zu Psychotherapeut*innen in der Region. Lies außerdem, wie die Terminservicestelle (Tel. 116117) helfen kann, einen Termin zu bekommen.


Quellen