Systemische Therapie


"Erst wenn ich sehe, wie andere auf mich reagieren, weiß ich, was ich gesagt habe".


Die Entstehung der systemischen Therapie

Der Vorläufer der systemischen Therapie wurde Familientherapie genannt. Sie sollte Patienten helfen, die durch eine Psychoanalyse nicht profitieren konnten. Dazu zählten Patienten, die wenig "Innenschau" (Introspektion) betrieben und deren Probleme durch schwierige soziale Umstände verursacht waren. Die Familientherapeuten entwickelten neue Konzepte zur Beschreibung und Erklärung von Verhalten: Nicht eine einzelne Person (Vater, Mutter, Sohn, Tochter) hat ein Problem, sondern die Interaktion der Familienmitglieder kann zum Problem werden. Deswegen wurde keine Einzelperson behandelt, sondern das Familiensystem.

 

Später kam zum Konzept der Systemtheorie ein weiteres Konzept hinzu: Es wurde nicht mehr nur das Verhalten beobachtet, sondern auch das, was in den Köpfen der Personen vor sich ging - die Gedanken. In der Therapie wurde nun darauf geachtet, wie eine Person die Welt beobachtet, in der sie lebt. Es wurde angenommen, dass Menschen niemals die Welt objektiv wahrnehmen können, sondern dass Wahrnehmung immer subjektiv ist. Dieser Ansatz wird Konstruktivismus genannt.


Kurzinformation zur systemischen Therapie

  • Die systemische Therapie berücksichtigt besonders Beziehungen und Interaktionen. Diesen Fokus nutzt sie beim Verständnis von psychischen Erkrankungen und bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen.
  • Es wird zu Therapiebeginn viel wert gelegt auf die Klärung des Auftrages des Patienten an den Therapeuten.
  • Ein Lösungsansatz ist es, symptomfördernde Bewertungen von Wahrnehmungen umzuwandeln in hilfreichere.
  • In die Therapie des Patienten können Bezugspersonen, z.B. die anderen Familienangehörigen, einbezogen werden.

Unterschiede zur Verhaltenstherapie

Vereinfachend gesagt gibt es zwischen der Verhaltenstherapie und der Systemischen Therapie beispielsweise diese unterschiedlichen Tendenzen:

 

In der Verhaltenstherapie wird versucht, das Verhalten von Menschen eher objektiv zu beschreiben, aufbauend auf Erkenntnissen der empirischen Forschung werden Ansatzpunkte für eine Veränderung (aufrechterhaltende Faktoren) erarbeitet , der Patient übt dann neue hilfreiche Verhaltensweisen ein. Verhaltenstherapeuten versuchen herauszufinden, was das Problem "ist" und wie es gelöst werden kann.

 

Systemische Therapeuten versuchen herauszufinden, wie die beteiligten Personen ein Problem benennen. Sie fokussieren auf die sprachliche Konstruktion einer oder mehrere Personen über das Problem. Das hat zur Folge, dass es keine Antwort auf die Frage geben kann, ob eine Person wirklich ein bestimmtes Problem "hat" (z.B. eine Depression).