Die Psychotherapie

Wenn du in dieser Phase bist, wurde eine psychische Erkrankung diagnostiziert (#1), du hast dich entschieden, auf ein festgelegtes Therapieziel hinzuarbeiten (#2), du hast einen Antrag auf Psychotherapie gestellt bei deiner Krankenkasse (#3) und du hast einen Brief bekommen von deiner Krankenkasse, dass die Therapie bewilligt wurde.


Anzahl der Therapie-Termine

Deine Krankenkasse bestätigt in dem Brief, dass sie die Therapiekosten für eine bestimmte Anzahl an Terminen übernimmt. Zum Beispiel besteht die Kurzzeittherapie 1 (KZT 1) aus 12 Terminen plus 3 Termine für Bezugspersonen (wie Eltern oder Lehrer*innen).

 

Wenn die Therapie zielführend verläuft, aber dennoch weitere Termine nötig sind, kannst du anschließend einen Antrag auf Kurzzeittherapie 2 (KZT 2) stellen bei deiner Krankenkasse. Bei Bewilligung besteht die KZT2 wieder aus 12 + 3 Terminen.

 

Bei einer Kognitiven Verhaltenstherapie leiten Psychotherapeut*innen die Patient*innen an, selbst die Probleme in den Griff zu bekommen. Es gilt daher nicht "viel hilft viel" in Bezug auf die Anzahl der Therapie-Termine. Denn wenn sich innerhalb der Kurzzeittherapie keine Schritte in Richtung der Therapieziele ergeben, wird sich das wahrscheinlich auch nicht in einer Langzeittherapie ändern. Auch die meisten Therapie-Manuale der KVT sind für eine Kurzzeittherapie ausgelegt. Dennoch gibt es Behandlungen wie die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) für Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung, bei denen eine Langzeittherapie (LZT) sinnvoll ist. Wenn eine KZT in eine LZT umgewandelt werden soll, musst du spätestens in der 20. Sitzung einen Antrag auf LZT stellen. Für einen LZT-Antrag ist zusätzlich ein Bericht an einen Gutachter notwendig, der im Auftrag deiner Krankenkasse überprüft, ob bei dir eine LZT sinnvoll und notwendig ist.


Die Bedeutung der Bezugspersonen

Bei jüngeren Kindern ist es für eine erfolgreiche Psychotherapie absolut notwendig, die Bezugspersonen einzubeziehen, also die Eltern, Lehrer*innen und Erzieher*innen des Kindes. Psychotherapietermine mit einem Kind alleine sind nicht zielführend. Viele psychische Probleme von Kindern sind Interaktionsstörungen. Dazu gehören z.B. die angstmotivierte Schulverweigerung oder Sozialverhaltensstörungen, die in der Familie auftreten (Schmidt, M.H. in: F. Petermann: Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie). Der Ansatzpunkt der Therapie muss es in diesen Fällen sein, die problematische alltägliche Interaktion zwischen Eltern / Lehrer*innen / Erzieher*innen mit dem Kind zu verbessern.

 


Der Vorstand der Berufsverbände DGKJP, BAG KJPP, BKJPP schreibt in seiner Stellungnahme vom 30.06.2020, dass dies nicht nur für eine ambulante Therapie gilt:

 

"So wie in vielen Leitlinien Eltern- bzw. Bezugspersonen-zentrierte Maßnahmen zum Teil sogar als Mittel der ersten Wahl benannt werden, so bedarf es auch im Rahmen der stationären und teilstationären kinder- und jugendpsychiatrischen Behandlung des engen Einbezugs von Eltern und Bezugspersonen. Eine reine Behandlung des Kindes oder Jugendlichen allein ist in den wenigsten Fällen zielführend und wird wenig Aussicht auf Erfolg haben, insbesondere bei der Transmission in die Lebensumwelt des Kindes / Jugendlichen. So ist regelhaft auch der Einbezug der Schule im Rahmen der Behandlung notwendig, wie auch Elterngespräche, Eltern-Kind-Interaktionsbehandlungen etc."


Bei Jugendlichen und bei jungen Erwachsenen werden die Bezugspersonen meistens weniger in eine Therapie einbezogen.


Die 7 Phasen einer KVT

Eine kognitive Verhaltenstherapie beinhaltet für jede psychische Erkrankung spezifische Inhalte und Methoden. Es gibt aber auch allgemeine Bausteine, die bei jeder KVT durchgeführt werden:

  1. Die Eingangsphase: Diese beginnt mit dem ersten Kontakt. Hier geht es darum, dass sich Patient*innen und Therapeut*innen kennen lernen. Beispielsweise werden die Rollen geklärt (z.B. dass eine KVT eine Hilfe zur Selbsthilfe ist).

  2. a) Veränderungsmotivation: Die Motivation für eine Veränderung wird betrachtet. Denn: Nur weil man ein Problem "hat", heißt das nicht, dass man motiviert ist, etwas dagegen zu unternehmen.
    b) Vorläufige Auswahl der Änderungsbereiche.

  3. Anfertigen einer Verhaltensanalyse für konkrete Problemsituationen. Entwicklung eines individuellen Problemmodells. Das Problemmodell fasst die Probleme zusammen (z.B. dysfunktionale Gedanken oder Verhaltensweisen), es erklärt, warum die Probleme entstanden sind und wie sie aufrechterhalten werden. Es findet Psychoedukation statt (Bedeutung von Psychoedukation: Wikipedia-Artikel).

  4. Vereinbaren der Therapieziele. In einer KVT geht es vor allem um konkrete Verhaltensziele.

  5. Planung, Auswahl und Durchführung von Methoden.

  6. Auswertung (Evaluation) der Therapie.

  7. Endphase der Therapie: Am Ende einer KVT findet eine Erfolgsoptimierung statt, z.B. indem Patient*innen schriftlich festhalten, wie sie selbst reagieren können falls Probleme erneut auftreten nach dem Therapieende.