Probatorik (Phase #2)

Wenn eine psychische Erkrankung bei dir vorliegt, für die prinzipiell eine Psychotherapie infrage kommt, besteht die nächste Phase aus den probatorischen Terminen. In diesen Probeterminen klären wir, ob eine KVT in deinem persönlichen Fall geeignet ist.

 

Passung: Wir klären, ob wir menschlich zueinander passen. Denn wie allgemein im Leben gilt auch für eine Psychotherapie, dass nicht jeder gut mit jedem zurechtkommt ("Mismatch"). Höre auf dein Bauchgefühl, ob du dich wohl fühlst. Falls du dich unbehaglich fühlen solltest, sollten wir keine Therapie machen.

 

Therapie-Ansatz: Wir klären, ob der Therapie-Ansatz, den ich dir anbiete, die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT), für dich passend ist. Für viele, aber nicht für alle psychischen Probleme gibt es bestimmte Störungsmodelle und Therapie-Rationale.

 

Erwartungen: Was kann man verändern - und was muss man akzeptieren? Diese Frage hat entscheidende Bedeutung für eine Therapie. Meistens sind nicht alle Faktoren, welche die psychische Erkrankung mit verursachen sind veränderbar (z.B. die biologische Ausstattung, mit der man auf der Welt ist, die Gene). Die nächste Frage mit größter Tragweite ist: Wer muss sich verändern um die Erkrankung abzuschwächen? Das Kind? Die Lehrer? Die Eltern? Die Gesellschaft?

 

Arbeitsbeziehung: Wir klären, wie viel Arbeit du und deine Bezugspersonen (Eltern, Lehrer, Erzieher) bereit sind, zu erledigen, denn Veränderungen sind anstrengend. Manchmal erfordern sie auch Mut (z.B. bei der Überwindung von Ängsten). Für eine erfolgreiche Therapie braucht es auf jeden Fall dein Commitment und das Commitment deiner Bezugspersonen (Eltern, Lehrer, Erzieher), also zielgerichtete, klare Handlungsabsichten.

 

Therapeutische Allianz: Wir klären, ob wir übereinstimmen in Bezug auf die Ziele der Therapie und die Notwendigkeit einer Psychotherapie. 


Kontraindikation: Falls die Voraussetzungen nicht erfüllt sind

Falls die Voraussetzungen nicht erfüllt sind, werden wir keine Therapie beginnen (und eine laufende Therapie beenden).

 

Falls z.B. die Passung nicht gegeben ist, informiere ich dich über weitere Hilfen und weitere Psychotherapeuten in der Region.

 

 

Einer der Begründer der Verhaltenstherapie, Arnold Lazarus, betonte, dass das richtige Überweisen von Patienten, wenn es nötig ist, eine bedeutende Fähigkeit von Psychotherapeuten darstellt ("Know your limitations and other clinians' strenghts").


Kontraindikation nach der Psychotherapie-Richtlinie

Psychotherapie ist als Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen, wenn zwar seelische Krankheit vorliegt, aber ein Behandlungserfolg nicht erwartet werden kann, weil dafür bei der Patientin oder dem Patienten die Voraussetzung hinsichtlich der Motivationslage, der Motivierbarkeit oder der Umstellungsfähigkeit nicht gegeben sind, oder weil die Eigenart der neurotischen Persönlichkeitsstruktur (gegebenenfalls die Lebensumstände der Patientin oder des Patienten) dem Behandlungserfolg entgegensteht.

 

Anmerkung: Bei manchen Erkrankungen wie ADHS oder Sozialverhaltensstörungen ist nicht die Motivationlage, die Motivierbarkeit und die Umstellungsfähigkeit des Kindes entscheidend, sondern der Eltern, der Lehrer und der Erzieher des Kindes.


Kontraindikation nach der Berufsordnung

Eine kontraindizierte Behandlung ist selbst bei ausdrücklichem Wunsch eines Patienten abzulehnen.


Therapiehausaufgaben und Veränderungsmotivation

Wenn du einen Eindruck bekommen willst, wie eine Kognitive Verhaltenstherapie nicht abläuft, kannst du dir die Serie In Treatment anschauen. Dort wird, wie fast immer in den Medien, eine psychoanalytisch begründete Therapie gezeigt. Eine KVT hingegen erkennst du an diesen Elementen: Du wirst vom Therapeuten am Anfang informiert über die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Erkrankung  (Psychoedukation), es wird ein bio-psycho-soziales Krankheitsmodell besprochen, es werden konkrete verhaltensnahe Ziele festgelegt, dann werden bestimmte Methoden definiert zur Erreichung dieser Ziele und Patienten bekommen Hausaufgaben, damit sie die Methoden im Alltag einüben können. 


Für eine KVT sind die wichtigsten Fragen an dich: Sind deine Probleme dadurch veränderbar, dass du dein Verhalten änderst? Bist du motiviert, das zu tun? Bist du bereit, täglich daran zu arbeiten, zumindest für ein paar Monate?

 

Für eine Selbsteinschätzung sieh dir das Stufenmodell der Veränderung an von Prochaska & Di Clemente (es wird auch Transtheoretisches Modell genannt).


Vereinbaren konkreter Therapieziele

Wir müssen vor Beginn der Therapie auf jeden Fall konkrete Therapieziele vereinbaren, aufbauend auf dem Störungsmodell, damit wir z.B. nach Therapiestunde Nr. 10 auswerten können, ob die Therapie zielführend ist. Mehr Informationen zu den Zielen


Konsiliarbericht

Bevor du bei deiner Krankenkasse einen Antrag auf Psychotherapie stellen kannst, brauchst du einen vom Arzt ausgefüllten Konsiliarbericht. Dafür bekommst du eine Überweisung von mir. Du kann zu deinem Hausarzt gehen oder zu einem Internist, Kinderarzt oder Kinder-/Jugendpsychiater. Der Arzt soll auf dem Vordruck aufschreiben, ob es körperliche Ursachen für deine Beschwerden gibt und ob eine ärztliche Mitbehandlung (z.B. durch ein Medikament) erforderlich ist.


Einwilligung in die Behandlung

Für jede Behandlung eines Arztes und eines Psychotherapeuten gilt: Vor jeder Behandlung, muss der Patient einwilligen, dass er die Behandlung möchte (§630d BGB). Ein Patient kann nur einwilligen, wenn er vorher transparent über die bevorstehende Behandlung aufgeklärt wurde (§630e BGB). Das beinhaltet auch die Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen von Psychotherapie.

 

Ziel der Aufklärung ist es, Patienten zu befähigen, eine autonome informierte Entscheidung für oder gegen eine Behandlung treffen zu können.

 

Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, geht es zur Phase #3: Patienten können bei der Krankenkasse einen Antrag auf Psychotherapie stellen.


Literatur für Unentschlossene

Beispiel für Literatur, die eine Anregung sein kann beim Für und Wider einer Verhaltensänderung:

 

Die Entscheidung liegt bei dir! Wege aus der alltäglichen Unzufriedenheit (R.K. Sprenger).