Akutbehandlung (Phase #2)

Wenn sich in der Sprechstunde gezeigt hat, dass eine psychische Erkrankung bei dir vorliegt und du akut in einem psychischen Krisenzustand bist, kann eine Akutbehandlung sinnvoll sein. Es gibt Unterschiede zwischen einer Akutbehandlung und einer Psychotherapie. In der Akutbehandlung findet keine umfassende Bearbeitung der psychischen Erkrankung statt. Stattdessen ist es das Ziel, bestimmte Symptome kurzfristig zu reduzieren und dadurch deinen Zustand zu stabilisieren. Als Therapeut verhalte ich mich in der Akutbehandlung aktiver, als in der Psychotherapie: Ich nenne dir direkt Lösungsvorschläge statt dich anzuleiten, selbst Lösungsideen zu entwickeln. In der Akutbehandlung schlage ich vor, dass wir konkrete Absprachen treffen für die nächste Zeit. Das betrifft z.B. diese Maßnahmen:

Mehr soziale Unterstützung

Wir sorgen für mehr soziale Unterstützung für dich: Durch Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder.


Notfallplan

Wir erstellen einen schriftlichen Notfallplan. Diesen solltest du immer bei dir haben. Du schreibst diese Stufen auf:

1. Was kannst du selbst tun, um deine Stimmung zu stabilisieren? Dazu besprechen wir ca. drei Strategien, die du in deinen Notfallplan aufschreibst. Sicherlich die bekannteste Maßnahme ist die Aufmerksamkeitsumlenkung ("Ablenkung").

 

2. Welche Personen aus deinem Bekanntenkreis tun dir gut, die du kontaktieren kannst? Dabei muss es nicht darum gehen, deinen Krisenzustand mit einem Freund zu besprechen, auch gemeinsam Zeit verbringen kann schon hilfreich sein.

 

3. Welche Helfer (Psychotherapeut, Arzt, Telefonseelsorge usw.) kannst du wann kontaktieren?

 

4. Wo kannst du im Notfall hingehen: Wo ist die nächste Notaufnahme oder ein Krisendienst und wie kommst du dorthin?


Im Kontakt bleiben

Wenn du in einer Krise bist, vereinbaren wir regelmäßige kurze Kontakte (z.B. telefonisch) für die Zeit zwischen unseren Treffen.


Symptom-Management

Wir erstellen eine Liste mit den Symptomen, die dich am meisten belasten. Dann sage sage dir, welche Strategien du zur Abschwächung dieser Symptome anwenden kannst. Beispiele sind:

  • Schlafstörungen können durch Einhaltung der Schlafhygiene reduziert werden.
  • Starke Anspannung kann durch Atemübungen reduziert werden.
  • Antriebslosigkeit kann durch eine Tages-Strukturierung reduziert werden.
  • Grübeln kann beendet werden, indem stattdessen Probleme aktiv angegangen werden durch ein Problemlösetraining (www.wikipedia.org/wiki/problemlösetraining).

Skills zur Stresstoleranz

Du kannst Fertigkeiten lernen, um mit belastenden Situationen umzugehen. Die Anwendung der Fertigkeiten wird nicht den Auslöser / das Problem lösen, wegen dem du gestresst bist. Aber sie helfen dir, Krisensituation besser zu überstehen indem sie dein Anspannungs-Level senken können.

 

Die Fertigkeiten lassen sich in zwei Bereiche einteilen:

  1. Aktivitäten
  2. Nutzung deiner fünf Sinne

Verhaltensanalyse

Die Verhaltensanalyse ist das zentrale diagnostische Werkzeug der Verhaltenstherapie. Sie hilft, dein Verhalten besser zu verstehen, nämlich die Funktionalität deines Verhaltens zu erkennen. Dazu nutzen wird die Erkenntnisse der Lerntheorie, zum Beispiel die operanten Konditionierung. Mit "Verhalten" ist übrigens all das gemeint: Deine Gedanken, deine Eigenschaften, Gewohnheiten und Lernerfahrungen, deine Gefühle, deine Körperreaktionen und dein Handeln.

 

Ein weiterer Begriff für die Verhaltensanalyse ist SORKC-Modell (wikipedia.org/wiki/sorkc-modell).


Am Ende der Akutbehandlung klären wir, ob wir mit der Probatorik weiter machen oder weitere Hilfen für dich infrage kommen.


Literatur

Literatur für Psychotherapeuten: Psychotherapie suizidaler Patienten (T. Teismann, C. Koban, F. Illes, A. Oermann). Therapie-Tools Depression (E. Faßbinder, J.P. Klein, V. Sipos, U. Schweiger)