Trauma

Was ist ein Trauma?

Ein Trauma ist Erlebnis, welches die Bewältigungsmöglichkeiten einer Person übersteigt. Traumatisierende Situationen treten in der Regel plötzlich und unerwartet auf. Es können Gefühle von Hilflosigkeit oder Angst auftreten. Als eine außergewöhnliche Belastung versteht man zum Beispiel einen schweren Unfall (den man selbst erleidet oder den man miterlebt). Jeder Mensch kann in eine Situation geraten, die so belastend ist, dass man damit überfordert ist. Psychische und Verhaltensänderungen direkt nach einem Trauma stellen eine normale Reaktion auf eine nicht normale Erfahrung dar. Solche Symptome können vorübergehend sein und von alleine wieder zurück gehen. Oder sie können anhalten und dann eine Behandlung notwendig machen. 

 

Ein belastendes Ereignis stellt nicht für alle Menschen ein Trauma dar: Erleben drei Menschen dieselbe außergewöhnlich belastende Situation, kann man davon ausgehen, dass eine Person keinerlei professionelle Hilfe benötigt, eine Person etwas Unterstützung benötigt und eine Person eine psychotherapeutische Behandlung benötigt. 

 

Die Psychotraumatologie ist die Lehre der psychischen Traumafolgen und beschäftigt sich mit der Erforschung und der Behandlung der Auswirkungen von traumatischen Ereignissen. Ein Verfahren der Traumatherapie ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Als KVT-Methode zur Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung hat sich bei Erwachsenen beispielsweise eine Form der Konfrontationstherapie als wirksam herausgestellt.

 

Es braucht Zeit, um ein außergewöhnlich belastendes Ereignis zu verarbeiten. Direkt nach dem Ereignis kann eine akute Belastungsreaktion auftreten. Diese zeigt sich z.B. durch das Gefühl von Betäubung, Angst und Hilflosigkeit sowie durch körperliche Symptome wie Herzklopfen, Zittern, Mundtrockenheit, Atembeschwerden usw.  Auch in den ersten Tagen danach (bis etwa 2 Wochen danach) können sich Kinder und Jugendliche in einer Art Schockzustand befinden. Viele Kinder und Jugendliche gelingt es, in den Monaten danach das Ereignis zu verarbeiten. Wenn sich nach ungefähr einem halben Jahr bei einem Kind oder Jugendlichen noch immer starke Beschwerden zeigen, sollte therapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Belastungen bei Kinder und Jugendlichen

Wird ein Kind traumatisiert, kann dies Auswirkungen auf die gesamte Familie haben. Je jünger ein Kinder ist, desto mehr benötigt es die Unterstützung von Erwachsenen - dies gilt allgemein, jedoch besonders nach einer erlittenen Belastung. Kommt es zu einem traumatisierenden Ereignis, ist es wichtig, dass sich Kinder und Jugendliche von ihren Bezugspersonen (Eltern, Erziehern, Lehrern, Freunden) angenommen und verstanden fühlen. Sie benötigen das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.

 

Kinder fühlen sich sicher, wenn sie sich auf die Erwachsenen verlassen können. Deshalb ist ein Kind zusätzlich belastet, wenn bei dem belastenden Ereignis eine wichtige erwachsene Vertrauenspersonen selbst traumatisiert wird.

Posttraumatische Belastungsstörung

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann entstehen als Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Das Klassifikationssystem ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation nennt diese möglichen Symptome einer PTBS, welche vor allem bei betroffenen im Erwachsenenalter auftreten:

  • Anhaltende Wieder-Erinnerungen an das belastende Ereignis,
  • Vermeidung von Situationen, welche Ähnlichkeiten haben mit der Belastungssituation,
  • Unfähigkeit, Aspekte des belastenden Ereignisses zu erinnern,
  • Anhaltende Erregung und dadurch Ein- und Durchschlafstörungen, Reizbarkeit oder Wutausbrüche, Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhte Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit.

Die Symptome kann man als verstehen als Ausdruck von Veränderungen in der Funktionsweise des Gehirns nach dem Erleben eines Traumas. Das Vermeidungsverhalten, die Erinnerungslosigkeit und die anhaltende Erregung stellen Schutzmaßnahmen dar: Das Vermeidungsverhalten soll davor schützen, noch einmal in eine Situation zu kommen, bei der wieder eine schlimme Belastung auftritt. Die Erinnerungslücken schützen vor belastenden Erinnerungen an das Ereignis. Das extreme Wachsamsein soll davor schützen, noch einem in eine  große Gefahr zu geraten. Dennoch können diese verständlichen Schutzmaßnahmen auch negative Folgen haben: Wer z.B. ständig wachsam ist, hat vermehrt Schlafprobleme und diese wiederum führen zu Konzentrationsproblemen in der Schule oder bei den Hausaufgaben. 

 

Kindergartenalter: Bei Kindern in diesem Alter zeigt sich das Wiedererinnern eher dadurch, dass sie beim Spielen z.B. mit Bauklötzen, Figuren oder Autos Abläufe des Ereignisses wiederholen oder immer wieder Bilder über das Ereignis malen. Sollten Eltern hier eingreifen? Nein, Eltern sollten das Kind spielen und malen lassen. Wenn das Kind weint, jammert oder Alpträume hat, sollten Eltern das Kind beruhigen. Wenn das Kind nicht mehr in den Kindergarten gehen will, kann es in den ersten paar Tagen nach dem Ereignis in Ordnung sein, zu Hause zu bleiben. Danach sollten Eltern das Kind ermutigen, wieder in den Kindergarten zu gehen - jedoch ohne Druck zu erzeugen. Das Kind kann zudem vermehrt kleinkindliche Verhaltensweisen zeigen, sich also vermehrt anklammern an die Eltern, wieder einnässen oder einkoten. Eltern sollten das Kind dafür nicht kritisieren oder gar bestrafen. 

 

Grundschulkinder: Auch in diesem Altersbereich gibt es Kinder, die das Erlebte nachzeichnen, aber auch über Bilder und Erinnerungen an das Ereignis klagen. Es ist wichtig zu wissen, dass die Erinnerungsbilder wieder verschwinden, wenn man die Belastung verarbeitet hat. Auch bei Schulkindern kann es gut sein, in den ersten Tagen nach dem Ereignis, zu Hause zu bleiben statt zur Schule zu gehen. Doch das Ziel sollte es sein, dann wieder am normalen Leben teilzunehmen. Man sollte wissen, dass vorübergehend das Lernen und die Konzentration auf schulische Inhalte nicht so einfach klappen, wie sonst.

 

Jugendliche, die durch ein Ereignis außergewöhnlich belastet sind, können eine Zwickmühle empfinden: Einerseits merken sie, dass sie wegen einer traumatisierenden Erfahrung Hilfe benötigen. Andererseits haben sie ein wachsendes Bedürfnis nach Autonomie und Selbständigkeit. Die eigenen Eltern sind deswegen oft gerade nicht die Personen, von denen Jugendliche Hilfe annehmen wollen. Eltern sollten die Bedürfnisse von Jugendlichen kennen, sie sollten Unterstützung anbieten, aber nicht aufdrängen und Jugendliche nicht ausfragen.

Diagnostik von Belastungsstörungen

Zur Einschätzung, ob eine Traumafolgestörung vorliegt, führen Psychotherapeuten ein gemeinsames Gespräch (Anamnese) durch. Außerdem gibt es Fragebogenverfahren, welche die Diagnostik unterstützen. 

 

Hierzu kann die Trauma-Symptom-Checkliste für Kinder und Jugendliche (TSC-KJ) zwischen 8 und 21 Jahren eingesetzt werden. Der Fragebogen umfasst sechs verschiedene Bereiche (unter anderem Depression, Ärger, Angst). Für den Altersbereich von 12 bis 21 Jahren stehen statistische Vergleichswerte zur Verfügung, um das Testergebnis einzuordnen. 

 

Außerdem beinhaltet das Diagnostik-System für psychische Störungen (DISYPS-III) Fragebögen zu trauma- und belastungsbezogenen Störungen.

Leitlinie

Links

Traumaambulanz für Kinder und Jugendliche: Charité, Berlin 

 

Traumaambulanz für Erwachsene: Charité / St. Hedwig -Krankenhaus, Berlin

 

Traumaambulanz für Erwachsene: Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Berlin

 

Liste mit Psychotraumatherapeuten von der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer

 

Informationen über Traumata bei Kindern bietet www.kidtrauma.com/de

Materialien

Psychische Erste Hilfe: Publikation für Hilfeleistende von der WHO im Bereich Notfallpsychologie

 

Wenn Kinder ein Unglück miterleben: Flyer für Kinder. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

 

Wenn du ein Unglück miterlebt hast: Flyer für Jugendliche. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe