Chronisch entzündliche Darm-Erkrankungen

Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED), darunter vor allem Morbus Crohn (MC) und Colitis Ulcerosa (CU) können zusätzlich zur ärztlichen, körperlichen Behandlung auch von eine Psychotherapie profitieren. Denn oftmals gehen mit der Erkrankung Verarbeitungs- und Handlungsmuster einher, die sich ungünstig auf den Krankheitsverlauf auswirken.

 

Nicht zu verwechseln sind CED mit dem Reizdarmsyndrom (englisch: irritable bowel syndrom). Dessen Symptome sind beispielsweise Bauchschmerzen und Stuhlveränderungen (Frequenz und Konsistenz des Stuhls) und geblähter Bauch. Patienten mit einem Reizdarmsyndrom haben oft eine Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. Zum Reizdarmsyndrom gibt es eine Leitlinie, die nicht mehr aktuell ist und aktualisiert wird (Neuerscheinung geplant: Ende 2018). Die Diagnosestellung erfordert die Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) sowie den gezielten Ausschluss von Differenzialdiagnosen. Bei der Differentialdiagnostik wird geprüft, ob die vorhandenen Symptome (wie Diarrhö, Schmerz, Verstopfung, Blähungen) anderen Ursachen zugeordnet werden können: Dazu gehören bspw. die CED, eine Weizenallergie oder Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit). Durchgeführt wird eine körperliche Untersuchung sowie eine Laboruntersuchung (Blutbild / Entzündungswerte, Urinstatus) sowie individuell weitere Untersuchungen wie Stuhl-Mikrobiologie sowie eine Ultraschalluntersuchung des Bauches. Eine Darmspiegelung hat einen besonders hohen Nachweis- und Ausschlusswert relevanter Differenzialdiagnosen.

 

Die Erstdiagnose der CED betrifft vor allem junge Menschen, die Erkrankungen begleitet Betroffene aber das ganze Leben. Die klinischen Leitsymptome sind Schmerzen im Bauchbereich sowie anhaltende Durchfälle (teilweise blutige Durchfälle). Beim Morbus Crohn kann der gesamte Verdauungstrakt (Gastrointestinaltrakt) betroffen sein und alle Schichten der Organwand betreffen. Bei der Colitis Ulcerosa betreffen die Entzündungen nur das Colon (= ein Teil des Dickdarms) und hierbei nur die Darmschleimhaut.

Die Verursachung der beiden CEDs ist bisher noch nicht vollständig geklärt. Es scheinen jedoch mehrere Faktoren eine Rolle zu spielen und miteinander zu interagieren (mulitfaktorielle Verursachung). Dazu gehören genetische, immunologische und umweltbedingte Faktoren. Umweltfaktoren scheinen einen entscheidenden Einfluss zu haben. Ein Umweltfaktor bei MC ist Rauchen, weitere Umweltfaktoren können die die Ernährung und der Lebensstil sein. Ein Merkmal der CEDs ist, dass es zu einer Überreaktion der Immunabwehr gegenüber der Darmflora (= intestinale Mikrobiota) kommt. Dadurch treten Entzündungsreaktionen auf. Hierfür spricht auch, dass abwehrunterdrückende (immunsupprimierende) Medikamente die Entzündungen abschwächen können.

 

Die Häufigkeit der Erkrankungen weltweit ist sehr unterschiedlich: In industrialisierten Ländern (Europa und Nordamerika) sind die Zahlen im Vergleich zu anderen Ländern erhöht. In Länder, die sich einem westlichen Lebensstil annähern, steigen die Erkrankungszahlen an.

 

Eine CED sollte behandelt werden, da unkontrollierte Verläufe zu Komplikationen führen können wie z.B. nicht beherrschbare Entzündungen (Sepsis) oder zu Folgeerkrankungen führen können wie z.B. Krebs. Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt, der eine Überweisung ausstellen kann an einen Facharzt für Innere Medizin / Gastroenterologie. Eine endoskopische Untersuchung ist hilfreich, bei welcher Gewebeproben (Biopsie) entnommen werden können. Hierzu kann der Patient im Allgemeinen eine Analgosedierung bekommen. Weitere mögliche diagnostische Verfahren sind neben der ausführlichen Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) u.a. ein Blutbild, die Untersuchung von Stuhlproben, eine Ultraschalluntersuchung des Bauches, bei MC eine Magenspiegelung oder MRT um den Ort der Entzündung festzustellen.

 

Weitere Materialien & Links

Veröffentlicht wurden eine Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa (für Fachpersonen; die Leitlinie ist gültig bis 15.05.2022) und eine Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn (für Fachpersonen; die Leitlinie ist gültig bis 31.12.2018) sowie ein Patientenratgeber zur Morbus Crohn.

 

 

Ob die Ernährung zur Verursachung von CED beitragen kann, wird teilweise kontrovers diskutiert. Sicher ist aber, dass bei Patienten mit CED vermehrt Mangelernährung auftritt und dass diese Mangelernährung den Verlauf der CED verschlechtert. Zu diesen Ernährungsfragen gibt es eine wissenschaftliche Leitlinie mit Empfehlungen (Gültigkeit der Leitlinie: Bis 31.07.2019).

 

Das Pharmaunternehmen Takeda informiert auf www.ced-trotzdem-ich.de über Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Wie immer ist bei solchen Angeboten Medienkompetenz gefragt: Eine kritische Distanz beim Lesen der Beiträge aufgrund der kommerziellen Interessen von Pharaunternehmen.