Bipolare Störung

Den Begriff „bipolare“ Störung kann man verstehen als Abgrenzung zur unipolaren Depression. Wer eine unipolare Depression hat, hat ausschließlich depressive Phasen mit niedergeschlagener, trauriger Stimmung, Freud- und Antriebsverlust etc.

 

Bei einer bipolaren Störung treten sowohl depressive als auch manische Phasen auf. Wenn ein Mensch ausschließlich manische Phasen hat, wird dies auch bipolare Störung genannt.

Was sind manische Phasen?

Eine manische Episode ist gekennzeichnet durch eine abgrenzbare Episode von mindestens einer Woche Dauer mit übertrieben gehobener, euphorischer oder reizbarer Stimmung, übersteigertem Selbstbewusstsein oder Größenideen, gesteigertes zielgerichtetes Aktivitätsniveau, geringes oder fehlendes Schlafbedürfnis, Rededrang, Ideenflucht. In solchen Phasen beschäftigen sich Patienten oftmals übermäßig mit angenehmen Tätigkeiten, die jedoch zu negativen Konsequenzen führen. Ein Beispiel wäre das übermäßige Geld ausgeben. 

Was sind hypomane Phasen?

Hypomane Episode ähneln manischen Episoden, sie sind aber weniger stark ausgeprägt. Um sie diagnostizieren zu können, muss die gehobene oder reizbare Stimmung mindestens 4 Tage lang vorhanden sein. Oft erleben Patienten diesen Zustand als angenehm. Freunde oder Familienangehörigen, erkennen aber oft, dass dieser Stimmungszustand nicht zu der ihnen bekannten Person passt. Die Beeinträchtigung ist durch hypomane Episode meist weniger gravierend als bei Patienten, bei denen eine manische Episode vorliegt.

Diagnostik

Es ist teilweise nicht leicht, normale Stimmungsschwankungen von einer bipolaren Störung zu unterscheiden – insbesondere bei der Hypomanie. Wenn ein Patient bei seinem Arzt oder Psychotherapeuten in Behandlung kommt aufgrund depressiver Symptome, die gerade vorherrschen, darf nicht vergessen werden, dass es sich um eine bipolare Störung anstelle einer Depression handeln könnte. Wichtig ist es, mit dem Therapeuten oder Arzt genau die relevanten Symptome zu besprechen und zu erfassen.

 

Es stehen verschiedene diagnostische Fragebögen zur Verfügung. Der Mood Disorder Questionnaire (MDS) und die Hypomanie Checkliste (HCL-32) fragen danach, ob jemals in der Vorgeschichte eine manische / hypomane Episode aufgetreten ist.

 

Wenn ein Mensch akut in einer manischen Episode ist, wird wohl die Fähigkeit, das eigene Verhalten zu reflektieren reduziert sein. Nichtsdestotrotz können Fragebögen zur Selbstauskunft wie die Manie-Selbstbeurteilungsskala (MSS)  sinnvoll sein. 

Entstehung von bipolaren Störungen

Es wird davon ausgegangen, dass es nicht eine einzige Ursache gibt für bipolare Störungen, sondern dass es sich um eine multifaktorielle Verursachung handelt. Anhand von Vulnerabilitäts-Stress-Modellen wird versucht, das Auftreten der Störung zu erklären:

 

  • Genetische und neurobiologische Faktoren: Diese bilden vermutlich die Grundlage der Störung. Das bedeutet, dass manche Menschen eine Anfälligkeit (Vulnerabilität) dafür haben, die Störung auszubilden. Dadurch wird das biologische System zur Verhaltensaktivierung nicht angemessen reguliert. Es kommt so zu einer übermäßigen Erhöhung oder Absenkung des Aktivitätsniveaus und des Antriebs.
  • Psychosozialen Faktoren: Kritische Lebensereignisse, akute Belastungen und Stress im Leben eines Menschen z.B. durch die Arbeit, oder die Familie können zu Auslösern werden für eine bipolare Störung.

Für die genetische Mitverursachung spricht die familiäre Häufung von bipolaren Störungen: So haben Kinder von Betroffenen ein mehrfach erhöhtes Risiko, selbst an einer bipolaren Störung zu erkranken. Natürlich wird nicht die bipolare Störung direkt vererbt, wohl aber die Neigung, eine bipolare Störung zu entwickeln.

Behandlung

Allgemein wird bei der Therapie der bipolaren Störung eine Medikation empfohlen. Die meisten Patienten werden zwar mit Medikation weiterhin Phasen der bipolaren Störung haben, jedoch verläuft die Erkrankung oft deutlich weniger gravierend mit Medikation. Am häufigsten werden stimmungsstabilisierende Medikamente eingesetzt (Lithium, Antiepileptika, atypische Antipsychotika).

 

Zusätzlich wird eine Psychotherapie empfohlen. Innerhalb der Therapie lernt der Betroffene zum Experten über die Erkrankung zu werden, sodass er das Störungskonzept kennt und weiß, wie sein Erleben und Verhalten ihm helfen können, mehr Kontrolle über die Störung zu bekommen. Die Psychotherapie richtet sich sowohl auf die Behandlung depressiver Symptome, manischer / hypomaner Symptome als auch auf die Rückfallprophylaxe.

Leitlinie

Manual für Therapeuten

Bipolare Störungen. Kognitiv-verhaltenstherapeutisches Behandlungsmanual (T. D. Meyer, M. Hautzinger)