Schön, dass Du da bist! Ich bin Kristof Schulze: Psychotherapeut für junge Menschen bis zum Alter von 21 | Ich wohne in Berlin und arbeite in Eisenhüttenstadt | Ich biete dir Diagnostik und eine bestimmte Form der Psychotherapie bei psychischen Erkrankungen*: Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT).


Wer macht was?

Um zu verstehen, was man von einer Behandlung erwarten kann, ist es für Patient*innen lohnenswert die Unterschiede zu kennen zwischen Psychiatern, Psychologen, Heilpraktikern und Psychotherapeuten.

 

In aller Kürze:

  • Psychiater sind Ärzte und haben Medizin studiert. Sie sind spezialisiert auf die Behandlung psychischer Erkrankungen und dürfen dazu Medikamente verschreiben.
  • Psychologen haben Psychologie studiert. Sie sind keine Therapeuten. Sie beraten Menschen z.B. in Erziehungsberatungsstellen.
  • Heilpraktiker für Psychotherapie müssen in Deutschland keine Ausbildung vorweisen, sondern einen Hauptschulabschluss und eine Unbedenklichkeitsprüfung nach dem Heilpraktikergesetz.
  • Psychotherapeuten haben ein Studium und eine Psychotherapieausbildung absolviert. Sie behandeln psychische Erkrankungen. Dazu nutzen sie eines von drei Psychotherapieverfahren. Diese unterscheiden sich voneinander: Nicht alle haben sich aus der wissenschaftlichen Psychologie heraus entwickelt.

Was ist eine Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)?

Die moderne KVT basiert auf der Psychologie als Wissenschaft. Sie wendet Methoden an, für deren Wirksamkeit es wissenschaftliche Belege (Evidenz) gibt (siehe wissenschaftliche Literatur). Die Verbindung aus Wissenschaft und Praxis wird Scientist-Practitioner-Modell genannt. "Wissenschaftliches Arbeiten und klinische Praxis sind zwei Seiten eines Flusses – zwei Ufer. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass Forscher wie Praktiker dauernd über die Brücke gehen. Sie wohnen zwar auf einer Seite des Flusses, aber sie sollten ab und zu mal hinübergehen und sich angucken, was es auf der anderen Seite gibt", sagte Frederick H. Kanfer, der Mitbegründer der Selbstmanagement-Therapie und des SORKC-Modells.


Eine Verhaltenstherapie zielt in der Regel nicht auf die Heilung einer psychischen Erkrankung ab, sondern darauf, die Symptome zu lindern und Einschränkungen zu reduzieren. Der Weg zu dem Ziel der Symptomlinderung liegt in der Verhaltensänderung (in der englischsprachigen Fachliteratur: behavior modification). Eine Verhaltenstherapie besteht in der Anleitung von Patient*innen und ihrer Bezugspersonen zu einer solchen Verhaltensänderung. Sie wird daher Hilfe zur Selbsthilfe genannt (wiki/Hilfe_zur_Selbsthilfe).

 

Am Anfang steht immer die Psychoedukation: Ohne umfassendes Wissen werden Patient*innen nicht im Sinne der Selbsthilfe aktiv werden können. Das unterscheidet die Verhaltenstherapie grundlegend von vielen medizinischen Behandlungen. Zum Beispiel: Während Patient*innen nicht im Detail verstehen müssen, wie eine extrakorporale Membranoxygenierung in der Medizin funktioniert, müssen Patient*innen genau verstehen, was eine Konfrontation mit Reaktionsverhinderung ausmacht, damit sie wirksam ist.


Was eine Kognitive Verhaltenstherapie nicht ist

Die meisten Menschen kennen nicht die Grundlagen der Verhaltenstherapie. Weit verbreitet ist die Vorstellung, eine Psychotherapie sei immer eine Art <Redekur>. Meistens wird auch angenommen, psychische Probleme seien die Folge einer <Verdrängung> traumatischer Erlebnisse. Aufgrund dieser Idee wird geglaubt, eine Therapie würde vor allem darin bestehen, unbewusste Vorgänge <aufzudecken>.

 


Kognitive Verhaltenstherapie im Vergleich

Für die Verhaltenstherapie gelten die drei oben genannten Vorstellungen nicht.

 

Von einer <Redekur> sprach Sigmund Freud als er sein psychoanalytisches Therapieverfahren beschrieb. In der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) hingegen, gibt es die Annahme, dass Gespräche allein oftmals nicht genug sind, sondern weitere aktive Handlungen notwendig sind im Therapieprozess. Patient*innen und Bezugspersonen werden auch nicht aufgefordert, alles zu sagen, was ihnen spontan einfällt. Die Verhaltenstherapie geht strukturiert vor durch Behandlungsprogramme, die spezifisch für einzelne psychische Störung entwickelt und wissenschaftlich überprüft wurden. Zum Einsatz kommen Standard-Therapiemethoden zum Trainieren neuer Verhaltensweisen:

Die Verursachung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen erklärt die KVT durch das biopsychosoziale Modell: Biologische Faktoren (z.B. die Veranlagung), psychische Faktoren (z.B. Lernerfahrungen, Überzeugungen) und soziale Faktoren (z.B. Konflikte in der Familie) müssen betrachtet werden.


Für wen eine Verhaltenstherapie geeignet ist - und für wen nicht

Aus dem oben genannten geht bereits hervor, für wen eine Verhaltenstherapie geeignet ist: Für Menschen, die an einer psychischen Erkrankung leiden und sich dafür entscheiden, selbst aktiv zu werden um neue Verhaltensweisen zu erlernen.

 

Diese Definition ist nicht so banal, wie sie auf den ersten Blick wirkt. Viele Menschen haben die (gut verständliche) Erwartung, dass Verhaltenstherapeut*innen für sie vorhandene Probleme lösen. Oder sie wünschen sich einfach jemandem zum Reden. Oder sie haben die Erwartung, dass eine Verhaltenstherapie bei Lebensproblemen angewendet wird (Trennung der Eltern, Streit in der Familie...) unabhängig davon, ob eine psychische Erkrankung vorhanden ist.


Ablauf einer Verhaltenstherapie-Sitzung

Damit eine 50-minütige Therapiestunde zielführend verläuft, kann sie z.B. so strukturiert sein:

 

(1) Rückblick: Besprechung neuer Ereignisse seit der letzten Therapiestunde (5min).

(2) Besprechung der letzten Therapiehausaufgabe (15min).

(3) Bearbeitung eines neuen Therapie-Inhaltes (20min).
(4) Vereinbaren einer neuen Therapie-Hausaufgabe (10min).

 

Ob eine Therapie erfolgreich verläuft oder nicht, hängt zum großen Teil davon ob, ob Patient*innen und Bezugspersonen zwischen den Terminen die Aufgaben im Alltag umsetzen. Die Therapietermine selbst führen alleine nicht zu einer ausreichenden Verbesserung.


Besonderheiten bei der Psychotherapie mit Kindern

Bei Kindern (jünger als 14 Jahre) richtet sich eine wirksame Psychotherapie oftmals an die Bezugspersonen: An die Eltern, Lehrer*innen, Erzieher*innen. Das liegt unter anderem an den Voraussetzungen für eine Psychotherapie:

  1. Der Wille, an der Veränderung des eigenen Verhaltens zu arbeiten (Veränderungsmotivation).
  2. Die Fähigkeit, das eigene Verhalten zu verändern.
  3. Ein Leidensdruck.
  4. Ein Krankheitsgefühl und Krankheitseinsicht.

Diese Eigenschaften sind bei Kindern selten vorhanden. Sie werden fast immer "geschickt" in eine Therapie von ihren Eltern, auf Druck der Schule oder auf Empfehlung des Jugendamtes. So ist das fast immer bei der häufigsten Störung, die Psychotherapeut*innen für Kinder und Jugendliche behandeln: Bei Sozialverhaltensstörungen mit oppositionellem beziehungsweise aggressivem Verhalten. Auch die Änderungsfähigkeit ist nicht immer gegeben. Eine Verhaltenstherapie erfordert das regelmäßige Üben neuen Verhaltens im Alltag für mindestens einige Monate. Das erfordert Mühe und Aufwand.

 

Bei einer Psychotherapie für Kinder muss man betonen: Nur wenn die Eltern, Lehrer*innen und Erzieher*innen "an einem Strang ziehen" können therapeutische Ziele erreicht werden.

 

Ein weiterer Grund für den Einbezug der Bezugspersonen: Eine Vielzahl psychischer Störungen im Kindesalter kann als Interaktionsstörung verstanden werden. Damit ändert sich die Sichtweise über eine sinnvolle Therapie: Anstelle der Vorstellung, dass ein Kind "krank" ist und Psychotherapeut*innen es "heilen" sollen, lautet dann die Erkenntnis: Eine Psychotherapie muss die ungünstigen Interaktionen mit dem Kind, welche die Symptomatik aufrechterhalten, verändern.


Wie wirksam ist Psychotherapie?

"Das hängt stark von der Diagnose ab. Patienten mit Phobien und Panikstörungen haben eine extrem hohe Chance, dass sich ihr Zustand durch Psychotherapie verbessert. Bei schweren Depressionen dagegen sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung um einiges geringer. Im Schnitt über alle Krankheitsbilder hinweg, gilt, dass Psychotherapie bei rund zwei Dritteln der Patienten den Zustand verbessert, bei etwa einem Viertel keine Besserung eintritt und sich bei zehn Prozent der Zustand verschlechtert", berichtet der Psychotherapie-Forscher Franz Caspar.

 

Ich konnte manchen Patient*innen schon nach 5 Terminen deutlich helfen und anderen Patient*innen kaum nach 60 Terminen. Es gibt Faktoren, die sich sehr stark positiv und solche, die sich sehr stark negativ auf den Ablauf und den Erfolg einer Psychotherapie auswirken (vgl. Rainer Sachse und Jana Fasbender). Ein Therapieerfolg ist unwahrscheinlicher bei diesen Faktoren:

  • Ich-syntone psychische Erkrankungen: Die Störung stört die Patient*innen nicht, sondern wird als Teil der Person und Identität betrachtet.
  • Eine schwere Ausprägung der Symptomatik.
  • Komorbiditäten: Das gleichzeitige Vorhandensein mehrerer psychischer Erkrankungen.
  • Ein geringes Funktionsniveau: Wenn Patient*innen durch die psychische Erkrankung den Alltag kaum bewältigen können.
  • Geringe Änderungsmotivation: Eine geringe Bereitschaft, das eigene Verhalten zu verändern.
  • Passivität anstelle von aktiver Mitarbeit
  • Vermeidung von problemrelevanten Themen.

Für einige dieser Faktoren gibt es wissenschaftliche Befunde. Sie steht im Zusammenhang mit Befunden der kognitiven Epidemiologie (z.B.: Intelligenz korreliert mit einem längeren Leben).

 

Am wenigsten helfen konnte ich Patient*innen die chronifiziert eine stark ausgeprägte Störung des Sozialverhaltens hatten in Kombination mit einer Depression, ADHS und Substanzmissbrauch, die Schule abgebrochen hatten und bei denen es in der Familie große Probleme gab.


Welche Nebenwirkungen hat eine Psychotherapie?

Man geht davon aus, dass in 5 bis 20% der Psychotherapien unerwünschte Wirkungen auftreten (adverse Effekte). Es gibt zum Beispiel bei einer verhaltenstherapeutischen Angstbehandlung quasi immer Nebenwirkungen, denn sie beinhaltet, "dass wir intensive Angst gemeinsam mit den Patienten durchstehen", erklärt Jürgen Margraf.


* Die Begriffe psychische Störung und psychische Erkrankung werden hier gleichbedeutend benutzt. Eigentlich wurde im Bereich der psychischen Probleme der Begriff Erkrankung gestrichen. Das liegt daran, dass Erkrankung im medizinischen Sinn bedeutet, dass es eine bekannte und nachweisbare organische Ursache gibt (wie z.B. eine Infektion). Dies ist bei psychischen und Verhaltensproblemen kaum der Fall, sie sind multifaktoriell verursacht.